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Gereon Inger stellt in der Galerie Artists Unlimited aus
Stärke und Schwäche im Diskurs
Uta Jostwerner
Westfalen Blatt, 11. 5. 2001
Seine Kunst erfordert uneingeschränkte Aufmerksamkeit. Ein flüchtiger Blick
genügt nicht. Schließlich male er für ein sensiblesPublikum, nicht für ein
Gebildetes, betont Gereon Inger. Der in Bielefeld lebende Künstler stellt unter
dem Titel »codex dissolutus. Über die Schwäche« von heute an seine Werke in
der Galerie Artists Unlimited aus.
Das Zarte, Schwache, auch Vergängliche sind die Themen, die Inger interessieren
und die gewissermaßen in einen dialektischen Diskurs mit dem Gegenteil, der
Stärke treten. Ingers Objekte und Materialien sind zart und zerbrechlich auf der
einen Seite und doch beinhalten sie auch die Stärke.
Die »Gruft« in der Galerie nutzt der Künstler als Bibliothek, in der er drei aus
Bambusrohren gefertigte Buchpulte aufgestellt hat. Ingers Bücher sind indes
Holztafeln im Folio-Format, in die bemalte Baumblätter wie Intarsien eingelegt
sind. Eine Glasplatte bietet den zarten Objekten Schutz vor vorzeitigem Verfall.
Mit Wasserfarben und einem filigranen Pinsel bemalt Gereon Inger seine Blätter
mit Gesichtern, die trotz des kleinen Formats in ihrer Detailtreue verblüffen.
»Gesichter«, erzählt Inger, »faszinieren mich. Ich sammle sie seit 20 Jahren.«
Auf zartem, brüchigem Material mit äußerst filigranem Pinselstrich gemalt findet
sich im Ausdruck doch eine ungeahnte Stärke und Größe.
Das wird auf den Internetseiten des Künstlers noch deutlicher. Dort können die
Bilder mittels einer Lupe betrachtet werden, und in der Vergrößerung zeigt sich
erst die erstaunliche Genauigkeit und Detailtreue, ja offenbart sich bisweilen
ein stolzer Charakter, den Inger bei seinen Personen ausmacht und festhält.
Auf dem Außengelände von Artists Unlimited sind auf Bambuspulten das Buch »Die
Ästhetik des Hässlichen« von Karl Rosenkranz und Heraklits Buch über das Leben und Sterben den Naturelementen ausgesetzt. Sie verwittern dort als Zeichen, dass
nichts fest, sondern alles im Fluss ist. Frei nach Heraklits These, dass das
Steuer des Alls vom Blitz geführt wird, hofft auch Gereon Inger darauf, dass der
Blitz in das Buch einschlägt, und die Prophezeiung erfüllt werde.
Schwäche und Verfall seien in unserer Gesellschaft noch immer Tabu-Themen, die
er mit seiner Kunst thematisiere und sichtbar mache, so der Künstler. Die
Ausstellung- »Über die Schwäche« wird heute um 19 Uhr eröffnet.
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