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»Wolfgang Hahn« von Astrid Opitz
Wolfgang Hahn
Schon 1978 hatte Wolfgang Hahn seine erste Ausstellung in Mönchengladbach, damals in der selbstorganisierten
Produzentengalerie seines Studienkollegen Klaus Schmitt. Seitdem folgten immer wieder Präsentationen in anderen
Institutionen der Stadt. Doch erst seit wenigen Jahren hat der in Anrath geborene Hahn auch ein Atelier in der
Steinmetzstraße. Hahn kann eine profunde künstlerische Ausbildung aufweisen. Nach dem Studium an der PH Aachen
bei Joachim Bandau wechselte er an die GH Kassel zu Harry Kramer. Ein
Stipendium des DAAD führte ihn in die USA, u. a. an das Center for Advanced Visual Studies in Cambridge/Mass., wo
damals Otto Piene lehrte.
Seit 1976 arbeitet Wolfgang Hahn grenzüberschreitend in den unterschiedlichsten Medien. Sein primäres künstlerisches
Ziel ist es, ein „missing link", die Verbindung oder Brücke zwischen Zeichnung und Skulptur zu entwickeln.
Fünf Werkgruppen dokumentieren sein kontinuierliches, experimentierfreudiges Bemühen um dieses Thema.
Seine frühesten Arbeiten in den siebziger Jahren sind aufklappbare Wellpappekartons in form menschlicher
Silhouetten. Sie spielen mit dem Verhältnis von Innen und Außen, Flächen und Volumen, positiver und negativer
Form und der Verbindung von amorpher Form und geometrischer Kante.
In den „Leimbildern" der frühen achtziger Jahre beschichtet Hahn
aufgespannte Leinwände mit honigfarbenem Fliegenleim. Auf einer zunächst monochromen Fläche bildet
sich mit der Zeit die Atmosphäre des Raumes ab. Das Bild entwickelt sich aus Zufall, ohne Einwirkung
des Künstlers, in dem Staub, Insekten und andere Partikel der Luft sich für einen gewissen Zeitraum
auf der Oberfläche fixieren. Spätestens nachdem der Leim getrocknet ist, fallen sie wieder ab, löst
sich das Bild auf, bleiben nur noch Spuren. Für Wolfgang Hahn spiegeln diese (zwischen Bild und Objekt
angesiedelten) Arbeiten auch den Lebenszyklus wieder.
In den achtziger Jahren sind Skulpturen aus Legosteinen ein zentrales Thema seiner Arbeit. Brücken, Torbögen,
Dachkonstruktionen variieren erneut das Verhältnis von Innen- und Außenraum, Zwei- und Mehrdimensionalität.
Einzelne Arbeiten dieser Reihe aus transparenten Steinen beleuchtet er von Innen mit schwarz-weiß TVs. Diese
heben mit ihren Licht- und Schatteneffekten die starre Geometrie der Figuren auf.
Mit seinen 3-D-Arbeiten gelingt Hahn am überzeugendsten die Verbindung von Zeichnung und Skulptur.
Phantomartig wachsen für den mit 3-D-Brille ausgestatteten Betrachter aus zweidimensionalen Zeichnungen
Körper, die sich mit seinem Blick in verschiedene Richtungen bewegen, wobei sie ihre Form permanent verändern,
um zum Schluß wieder in der Fläche zu verschwinden.
Aktuell beschäftigt sich Hahn mit Sperrholzfiguren in der Form schematisierter menschlicher Körper, die wie im
Steckkastensystem ineinandergepuzzelt werden können. Dabei verlieren sie ihre flächige Erscheinung, bilden
miteinander vielschichtige skulpturale Formen. Auch hier wird ein wesentliches Charakteristikum seiner Arbeit
deutlich, die Reduktion der Form auf das Wesentliche, Unverzichtbare und das System des Bauens und Auflösens
in Grundelemente. Vor allem ist es aber der ironische, witzige Aspekt, der die Arbeit Wolfgang Hahns auszeichnet
und der der Auseinandersetzung mit seiner Arbeit eine spielerisch Komponente verleiht.
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