Das anonyme Bekenntnis

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Jack 1989

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Stefan Hoderlein
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Jack 1989

Stefan Hoderlein, Interview mit Chill a Mood - Dillemuth
(keine weiteren Angaben bekannt, nach Typoskript gekürzt für diese Seite von G.Inger)

D:  Was war dein "erstes Erlerbnis", wie fing für dich die Party Aera an?
H: Eigentlich hatte ich in ein paar Acid House Clubs 1988 schon einen Vorgeschmack auf die Party Aera bekommen, aber ich hielt das Ganze noch für eine Jugendbewegung, die mit dem Sommer, - dem "Summer of Love" vorbei war.

Jarvis Cocker, Mitstudent bei St. Martin´s (School of Art) und Sänger der Band "Pulp" versprach, mich mitzunehmen, falls doch noch mal "irgendwiesowas" stattfinden sollte. Bei einer dubiosen Adress, einem an einer Tankstelle geparkten BMW, wurden Tickets gekauft und am folgenden Wochenende pausenlos irgendwelche darauf gekritzelten Nummern angewählt. Wenn man endlich durchkam, wurde man per Tonbandstimme auf -more information later- vertröstet und begann das Spiel von vorne. Irgendwann erfuhr man dann endlich, wo ungefähr das Ganze steigen sollte, begab sich zwei Stunden weit in die Pampa, wo man anderen umherirrenden Fahrzeugen folgte, bis man schliesslich ans Ende eines gigantischen nächtlichen Staus geriet, der sich durch kleine Ortschaften schlängelte.

Die Polizei war mittlerweile auch dabei, aber aufgrund des übergrossen, nicht vorhersehbaren Andrangs von tausenden von Fahrzeugen in ihrer Kapazität begrenzt, und so zur Verkehrsregelung verdammt.

Nach der endlosen Warterei im Verlauf des Abends folgten noch einmal zwei Stunden Schlange vor der Party. Gefälschte Tickets wurden verkauft, echte mit Hilfe von Tränengas Wartenden entrissen, schliesslich wurde man von rottweilerbestärkten Bouncern in schwarzen Anzügen durchsucht und durch eingezäunte Wege zur Party geleitet, die in einem Hangar stattfinden sollte. Es war ein Elend - ich war müde, es war vier Uhr morgens und das Letzte, was ich in meiner "vor-party-aera" dachte, war: "Das ist das erste und letzte Mal, dass ich auf so eine Scheissparty gehe." Dann habe ich angefangen zu tanzen.
D: Und über das Tanzen kriegst du Identität, eine absolute Direktheit, ein ICH, das nicht mehr geteilt ist?
H: Das kann meinetwegen auch geteilt sein. (...) Du kannst sogar über das nachdenken, was dir alles nicht gefällt, und es hindert dich nicht, Spass zu haben. Die Probleme, die für uns in den 70ern sozialisierte Kritikliebhaber im Kopf entstehen, haben sich da für mich zum ersten mal aufgehoben.
D: Das hört man aus der kultischen und rituellen Geschichte des Tanzens oft. Darauf beruft sich Techno gerne?
H: Beruft sich darauf nicht aller gemeinschaftlicher Tanz? Mit dem "Für sich Tanzen" fängt die Party ja nur an, danach, nachdem man sich freigetanzt hat, kann man anfangen, miteinander zu tanzen.
Dann ist man Teil eines Ganzen und Individuum zugleich, so wie man sich beim Sex als Teil dieses gigantischen Weltenrades fühlt, verbunden mit Steinzeit und Zukunft, und zugleich man selbst und eins mit dem Partner ist.
Beim Tanz ist das mitunter so ähnlich, man fährt auf die Bewegungen von jemandem ab, sieht nur noch das Gegenüber, während die Welt um einen herum versinkt. Wenn das Gegenüber dann ebenso auf einen abfährt, schraubt sich das Ganze gemeinsam in die Höhe, in gemeinsame Ekstase oder gemeinschaftliches Nichtsein.
Das waren die mit Abstand geilsten Momente, die ich in meinem Leben hatte. Anfangs war mir das total peinlich, so wie wenn man plötzlich aufwacht und mit runtergelassenen Hosen an der Bushaltestelle wichst, weil man jemanden geil findet.
Mit sexueller Befriedugung, mit diesem zwangsweisen Urfilm, der mit einem so regelmäßig abgeht, hat das Ganze beim Rave aber nichts zu tun.
D: Die Transzendierung von Sex in eine angeblich höhere Stufe, das finden auch Rainer Langhans und Bhagwhan klasse.
H: Ja, aber ich gehe jetzt nicht von Transzendierung aus. Mir ist das einfach so widerfahren und mir ist es ein absolutes Grundbedürfnis, mich zusammen mit anderen so weit hochzutanzen. Da wird jedesmal wieder ein kleines Tabu gebrochen, weil man sich öffentlich und in Gruppen sonst nie so restlos zeigen darf, wie beim Rave. Dadurch entsteht ein Gefühl von Vertrautheit wie nach dem Sex, wo man jemanden gegenüber hat, dem man sich völlig geöffnet hat und der sich auch.
...

D: Kommt es zwischen dem Künstler und dem Raver zum Interessenkonflikt, oder ist das eine Sache?
H: Ich trage alles in die Kunst rein, was mich beschäftigt, was ich erlebe. Der Rave ist eine Welt, in die ich eingedrungen bin, daher taucht er in der Kunst auch auf.





ECSTASY AIRPORT!
The sun cracks secret drug rave-up in hangar

THE SUN, Monday, June 26, 1989




11,000 youngsters go drug crazy at Britain´s biggest-ever Acid party