Das anonyme Bekenntnis

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Windows 1997
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Stefan Hoderlein
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windows 1997

Stefan Hoderlein im Gespräch mit Michael Krajewski, Kurator für windows 1997

© Stefan Hoderlein / Michael Krajewski
1.5.1997 - gekürzte Version - erschienen bei rp-online


M. Krajewski:  Was wirst Du im "windows1997"-Container am Grabbeplatz zeigen?
S. Hoderlein: Auf der mittleren Fensterscheibe zeige ich eine Projektion: Zwei Raver tanzen im fahrenden Auto.
Die Innenseiten des Containers sind mit Flyern von 1989 bis 97 tapeziert.
M. Krajewski:  Du hast kommerzielle Videos gesammelt?
S. Hoderlein: Ja, auch. Ich habe alles gesammelt, was irgendwie zu Techno gehört, auch die ersten TV-Berichte und TV-News über Parties und Drogen, die ersten TV Jingles und Commercials, die mit Techno unterlegt waren, usw.. Ich finde es extrem interessant, wie sich langsam so ein Phänomen ausbreitet, vom Rand her in die "normale Welt "eindringt, diese durchdringt, sich mit ihr vereinigt und letztlich so wieder "normale Welt" wird.
Stefan Kürten
(ein befreundeter Künstler kommt zu Besuch):
Du archivierst Zeitschriften oder Videos oder Filme. Du filmst tanzende Leute und veränderst nicht viel daran. Worin siehst Du jetzt den Unterschied zu einer reinen Dokumentation, zum Beispiel der eines Fernsehsenders?
S. Hoderlein: Eigentlich sammle und archiviere ich nur, um das Material - direkt oder später - einmal für einzelne Arbeiten zu benutzen, um es dann zu kombinieren, zu bearbeiten, oder als Hintergrund zu gebrauchen, wie die Flyer im Container. Die Tanzenden filme ich in dieser einfachen Art, um sie für eine Videoprojektion einzusetzen. Aber ich gebe dann schon den formalen Rahmen vor, in dem sich das Ganze bewegt. Für Videoprojektionen muß ich diese Vorgaben und Einschränkungen machen, z.B. räumliche und den Hintergrund betreffende. Ich kann nicht auf eine Party gehen, die Kamera auf die Tanzfläche richten und die Aufnahme später als Projektion verwenden. Damit deutlich wird, was ich möchte, muß ich das Ganze rekonstruieren und auf bestimmte Bereiche beschränken. Die Form ergibt sich aus der Arbeit, der Idee, die dahinter steckt, also wie ich mir vorstelle, wie das aussehen soll.
M. Krajewski:  Was fasziniert Dich an Techno?
S. Hoderlein: I like it. Das ist schon das Wichtigste. Als ich in den 70er Jahren groß geworden bin, wurde vielleicht der Traum der Hippies von Gemeinschaftlichkeit, gemeinsamen Sein und Handeln eingepflanzt. Vielleicht finde ich daher die Vorstellung von "we are all one" oder "we are one family" sehr schön.