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Visuelle Synekdochen Gabriele Undine Meyer E.-Brief Internet |
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Visuelle SynekdochenAngela Lampe
Die metaphorische Figur des pars pro toto bildet eines der Grundprinzipien im Werk Gabriele Undine Meyers. Das fängt mit ihrer Vorliebe für Großaufnahmen von Gesichtern und besonders von Augen an, die bei ihr für den ganzen Menschen, ja für ein Menschenleben stehen.
... Die Gesichter ersetzen aber nicht nur den Menschen. Sie werden bei Meyer zu Stellvertretern einer Generation, meistens der Kriegsgeneration, oder unserer Vorfahren schlechthin. Sie verweisen auf Vergangenes und Verschwundenes. Was, wie wir von Roland Barthes und Christian Boltanski wissen, letztlich den Tod bedeutet. ... Es geht weder um das Hier und Jetzt, noch um Individuen. Das bunte Leben jener abfotografierten Menschen, die persönlichen Sorgen und Freuden, die sich hinter den Gesichtern verbergen, interessieren die Künstlerin nicht. Die Bilder werden dadurch zu einer Projektionsfläche für den Betrachter, der mit seinen eigenen Kindheitsvorstellungen oder persönlichen Erinnerungsbildern die Reihe fortzusetzen vermag. Meyers Arbeiten, die oft seriell angelegt sind, implizieren diese Fortschreibung. Wenn es um Stellvertretung geht, spielt der Einzelne keine Rolle. Nahezu jede alte Porträtaufnahme kann zum Teil des übergeordneten Systems einer Generation oder eines Lebensabschnitts werden. Zwar stechen auf der einen oder anderen Aufnahme eine besondere Kopfhaltung, ein anrührender Blick oder ein geheimnisvolles Lächeln ins Auge, doch sehr rasch nivellieren sich die Gesichter zu einer homogen Gruppierung. Das Individuelle wird einer Serie oder besser einem Allgemeinbegriff untergeordnet, der durch eine Klasse von Eigenschaften gegeben ist. aus: Angela Lampe: Visuelle Synekdochen in: Gabriele Undine Meyer: RECALL - Arbeiten zum Thema Erinnerung hrg. von Benedikt Sturzenhecker KERBER VERLAG Bielefeld 2002 |
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